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Obama und der Frieden

Gerade bekommt Barack Obama, Präsident der USA und – wie er selbst betonte – Oberbefehlshaber der Armee, die sich in zwei Kriegen befindet, den Friedensnobelpreis verliehen. Wenigstens hat er, im Gegensatz zum vergangenen deutschen Außenminister keine Scheu, das Wort „Krieg“ nicht nur auszusprechen, sondern auch mit allen Konsequenzen zu füllen, klar zu machen und selbst anzuerkennen, dass Krieg bedeutet, dass Menschen sterben. Dass er selbst, indem er mehr Soldaten nach Afghanistan schickt, zu ihrem möglichen Tod beiträgt. Er weiß, dass immer mehr Zivilisten sterben (obwohl er nicht ausdrücklich erwähnt, dass auch seine Soldaten daran Schuld tragen).  Aber er trägt eine Meinung zum Krieg zur Schau, die der Vorstellung eines Friedensnobelpreisträgers widerspricht. Krieg sei nötig, sagt er, um dem Terrorismus zu begegnen, mit Al Qaida könne man nicht verhandeln, man müsse militärisch vorgehen. Wenige Minuten später stellt er aber zugleich fest, Frieden sei nicht nur die Abwesenheit von Konflikten. Ich möchte ihm entgegnen: Genau diesen Frieden wirst du nicht mit Krieg erreichen! Es macht mich traurig, dass jemand, der den Friedensnobelpreis bekommt, eine Institution, die weltweit hoch geschätzt wird, den Krieg als historische Notwendigkeit sieht, Gewalt als Grenze der menschlichen Vernunft, die nicht zu ändern sei. Da liegt eine Einstellung zugrunde, die dem Pessimismus entwachsen ist, die Krieg und somit den Tod von Menschen längst als gegeben hinnimmt. Ich bin aber –  und man möge mich naiv deswegen nennen – mit dem Wissen aufgewachsen, dass die menschliche Vernunft das ist, was uns als Mensch so besonders macht. Dass sie grenzenlos sein kann und dass Gewalt von Vernunft ausgeschlossen ist, demzufolge auch von vernünftigen Menschen nicht begangen wird. Zugleich dachte ich, die Geschichte der Menschheit sei eine Geschichte des Fortschritts und somit auch des Fortschritts der Vernunft. Somit wäre Krieg keine historische Notwendigkeit, sondern irgendwann ein historisches Übel, dass man mithilfe der Vernunft überwunden hat. Deswegen begrüße ich die Proteste der Friedensbewegung in den USA und in Norwegen, denn wenn ich heute eines gelernt habe, ist es folgendes:

Barack Obama, Friedensnobelpreisgewinner, wird niemals Teil der Friedensbewegung sein.

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